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Andrea Petkovic: Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht

@ Kiepenheuer & Witsch Coverrechte liegen beim genannten Verlag

Titel: Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht
Autor: Andrea Petkovic
ISBN-10: 3462054058
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Format: gebundene Ausgabe
Seitenanzahl: 272
Abmessung: 13,1 cm x 20,9 cm
Erscheinungsdatum: 08.10.2020

tenniswelt.biz Bewertung: 

Die Karriere von Petko verfolge ich schon sehr lange und für mich war es irgendwie logisch, dass sie kurzfristig ein Buch auf den Markt bringen musste. Denn dass ihre Interessen weit über die des Tennissports hinaus gingen, war schon sehr früh klar. Gerade wenn man sich näher mit ihrem Twitterprofil beschäftigt, bei dem man auch ihr Politikinteresse und eben das für Literatur erkennen kann. Bereits vor Ihrem Buchdebüt begann sie im Jahr 2018 Kolumnen für das SZ-Magazin zu veröffentlichen.

Ich habe mir die Hörbuchversion besorgt und war schon mal positiv überrascht, dass Petko selbst, zusammen mit Nina Kunzendorf dieses liest. Das soll aber nachher nicht die Bewertung beeinflussen.

Zusammen mit ihrer Mutter, gebürtige Bosnierin, sowie ihrem aus Serbien stammenden Vater ist Andrea Petkovic in Darmstadt aufgewachsen. In ihrem Alter von sechs Monaten ist die Familie aus Tuzla in Bosnien nach Deutschland eingewandert.

Mit Tennis begann Andrea, die manchmal auch Andy gerufen wird, im Alter von sechs Jahren. Ihr Vater Zoran, früher selbst Profi, coachte sie und das sehr erfolgreich: schon sehr früh schlug sie Gegnerinnen, die teilweise einige Jahre älter waren. Mit 16 gewann sie bereits ihr erstes ITF in Antalya. Ein Jahr später erreichte die Darmstädterin sogar die 2. Runde der French Open. Wer meinte, die Schule spielt ab dort keine Rolle mehr, irrt. Die elfte Klasse übersprang sie sogar und machte ihr Abitur mit 1,2. Später studierte sie nebenher noch Politikwissenschaft an der Fernuniversität in Hagen.

In vielen kleinen Kapiteln bekommt man interessante Geschichten aus ihren ganz frühen Tennisjahren erzählt, in denen das Geld sehr knapp war und sie sich z.B. in Sofia bei einem Turnier zusammen mit einer Kollegin ein Zimmer teilte. Eines, was eher den Namen Absteige verdiente, mit rostigem Wasser und nur einem Einzelbett.

 Wenn die Kirche scheitert, kann der Tennissport so manch einen vom Atheisten zum Gläubigen konvertieren

Überhaupt umschreibt sie in ihrer Biografie weniger große Siege in allen Einzelheiten, wie es zum Beispiel bei „Rafa“ der Fall ist. Viel mehr sind es die kleinen Geschichten am Rande der großen und kleinen Turniere, die für mich viel interessanter sind. Wie unterscheiden sich die Zuschauer in Roland Garros von denen im Melbourne Park? Oder wie Petko von Jahr zu Jahr immer mehr an ihrer Hotelauswahl in Manhattan feilte.    

Definitiv sind die es die kleinen Randnotizen, die Geschichten hinter der Karriere, die Anfänge, die das Buch zu einem absoluten Pageturner macht. Im Passat der Eltern geht es von Turnier zu Turnier. Später geht es mit dem Flieger nach Melbourne, Paris, London und New York. Ist es als Jugendliche das mit 2,50 DM teure Magnum Eis, was als purer Luxus der Trinkhalle galt, ist es mit Mitte 20 die Fifth Avenue am Big Apple. Sie konnte dem Luxus nicht zuletzt durch ihr einfaches und bescheidenes Elternhaus widerstehen. Obwohl sie mittlerweile schon mehrfache Preisgeld Millionärin ist, hat man nie das Gefühl, dass es in ihrem Leben irgendeine Rolle spielt.

 Mit dem ersten Grand Slam verhält es sich wie mit der ersten großen Liebe: Man vergisst es nie, trotz oder gerade wegen der Schmerzen, dir sie einem zufügt.

Die ständige Selbstreflektion mit anschließender Kasteiung Petkos wird ganz deutlich, als sie sich auf YouTube ihr 6:2 und 6:3 im Achtelfinale der Australien Open 2011 gegen Maria Sharapova anguckt. Wahrscheinlich ihr größtes Match überhaupt. Anstatt ihren Sieg noch einmal in Bildern zu genießen, liest sie sich die Kommentare im Stile von „seit wann dürfen Männer dort mitspielen“ oder „immer gewinnen die Hässlichen“ durch. 

Petkovic versteht es mit Sprache umzugehen und Formulierungen gepaart mit ihrer Beobachtungsgabe für Kleinigkeiten am Rande des Tennislebens machen das Buch so lesenswert. Eine Tennisbiografie der allerhöchsten Kategorie, geschrieben für jedermann. Mit sehr viel Liebe zum Detail und immer zwischen Selbstzweifeln und Hochgefühlen. Letztendlich finde ich das Buch grundehrlich und in einem Stil geschrieben, in dem sich sehr viele wiederfinden werden.

 

 
  • ehrliche und ungeschönte Biografie
  • auch interessant für Nicht-Tennisfans  
 
  • teilweise verwirrende Zeitsprünge  

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