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Maria Sharapova: Unstoppable

@ Macmillan USA Coverrechte liegen beim genannten Verlag

Titel: Unstoppable
Autor: Maria Sharapova
ISBN-10: 0374279799
Verlag: Macmillan USA
Format: gebundene Ausgabe
Seitenanzahl: 292
Abmessung: 16,3 cm x 23,5 cm
Erscheinungsdatum: 12.09.2017

tenniswelt.biz Bewertung: 

Viele große Spieler, die scheinbar unnahbar schienen, versuchen durch ihre exklusive Autobiografie überraschende Seiten an sich zu teilen. Wenn sie es nicht schon zuvor tagtäglich auf ihren Accounts in den sozialen Netzwerken gemacht haben. Rafa Nadal, Roger Federer und sogar Tennisrambo Nick Kyrgios erzählen davon. Es ist populär.

Ich halte es nicht für relevant, das 10. Buch über Roger hier vorzustellen. Viel mehr ist die Lebensgeschichte anderer Stars ebenso wert, beleuchtet zu werden. Vielleicht auch jene, deren Leben man nicht sowieso schon von diversen Social Media Accounts in- auswendig kennt.

So zum Beispiel die des Mädchens aus Sibirien, das sich eines Tages auf den Weg nach Florida machte, um den Traum ihres Vaters zu leben. Nicht ihren eigenen Traum? Ich bin mir auch jetzt immer noch nicht sicher, wer sich von den beiden beim Erreichen der Nr. 1 der Tenniswelt den größeren Traum erfüllt hat.

Sharapovas Buch wurde mit Hilfe des Journalisten Rich Cohen verfasst und ist ein aufschlussreicher Bericht über ihr bisheriges Leben.

Der damals 28-jährige Yuri ging mit seiner 6-jährigen Tochter Maria und einer Tasche mit 700 Dollar von Gomel in Weißrussland über Sotschi nach Florida. Marias Mutter Yelena sollte schließlich zwei Jahre später folgen. Maria beschreibt, dass sie eine einsame Kindheit hatte im legendären Tenniscamp IMG von Nick Bolletieri in Bradenton an der Westküste Floridas. „Alles schien nur ein Abenteuer zu sein, ein Märchen", schreibt sie über diese frühen Jahre.

 Ich will mich nicht mit den anderen Mädchen anfreunden, weil es mich weicher macht und ich dann leichter zu schlagen bin

Mit elf Jahren beschreibt sie die Unterzeichnung eines Sponsorenvertrags mit Nike: „Zum ersten Mal habe ich irgendwie verstanden, worum es ging. Tennis ist ein Sport, aber nicht nur ein Sport. Es ist eine Leidenschaft, aber es ist nicht nur eine Leidenschaft. Es ist ein Geschäft. Es ist Geld. Es ist Stabilität für meine Familie. Ich hab es jetzt.“

Ihr weiterer Weg ist hinlänglich bekannt. Mit gerade einmal 17 Jahren gewinnt sie Wimbledon und in den kommenden Jahren sollte sie jedes Grand Slam mindestens ein Mal gewinnen. Die French Open sogar zwei Mal. Bei 36 WTA-Turnieren stand sie am Ende ganz oben. Preisgelder, Kooperationen und lukrative Werbeverträge machten Sie zu der reichsten Sportlerin der Welt. Selbst zwischen August 2019 und August 2020 hat sie unfassbare 46 Millionen Dollar eingenommen. Ohne auf Turnierebene gespielt zu haben. 

Auch der Gegnerin, mit der sie die wohl größte Rivalität hegt, wird ein Kapitel gewidmet: Serena Williams. Jene Spielerin, gegen sie diese verheerende Bilanz von 2 Siegen und 20 Niederlagen hat. Teilweise musste sie sich der Amerikanerin unter 60 Minuten geschlagen geben. Sharapova schreibt, dass Serena nach ihrem verlorenen Wimbledon-Finale von 2004 „I will never lose to that little bitch again“ gesagt haben soll. Entsprechend kühl war ihr Verhältnis seither verständlicherweise.

 Ich denke, Serena hasste mich dafür, das dürre Kind gewesen zu sein, das sie geschlagen hat, gegen alle Wahrscheinlichkeiten, in Wimbledon

Für Tenniskenner gibt es nicht so viele Stellen im Buch, die wirklich durch schonungslose Ehrlichkeit oder nicht geahnte Enthüllungen aufwarten. Im Gegenteil. Scharapovas Lebensberichte kratzt permanent an der Oberfläche. Zumindest an den wirklich interessanten Stellen. Es wirkt, als wenn die Russin nicht mit der nötigen Offenheit an dieses Buch herangegangen ist. Selbst ihr eigener Dopingfall 2016 wird zwar ausführlich erklärt und sie nimmt auch Stellung zu dem Thema. Nur wird ihre 16-monatige Sperre mehr oder weniger lapidar abgehandelt, ohne Selbstzweifel, ohne besondere Reue. Die damals 28-jährige Athletin hielt eine Pressekonferenz ab, um zu verkünden, dass sie positiv auf Meldonium getestet wurde, ein lettisches Medikament, das in ganz Osteuropa mit Aspirin-ähnlicher Häufigkeit verabreicht wird.

Das Buch macht Maria Sharapova vielleicht nicht sympathischer. Selbst wenn sie über das Leben außerhalb des Platzes schreibt, fühlt sich jede Geschichte kalkuliert an. Ihr Tonfall bleibt sachlich. Ähnlich wie ihr Spiel kann man auch ihr Buch analysieren: Auf Erfolg getrimmt, fokussiert und mit wenigen zugelassenen Emotionen - wie Eis.

Vielleicht aber versteht man vieles im Anschluss einfach besser.

 
  • behandelt auch viele unangenehme Lebensgeschichten

 

  • für eine Biografie teilweise unpersönlich und nüchtern geschrieben
  • momentan nur in englischer Fassung

 

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