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Felix Hutt: Lucky Loser

@ Ullstein extra Coverrechte liegen beim genannten Verlag

Titel: Lucky Loser
Autor: Felix Hutt
ISBN-10: 3864930650
Verlag: Ullstein extra
Format: Broschiert
Seitenanzahl: 240
Abmessung: 13,5 cm x 20,5 cm
Erscheinungsdatum: 02.05.2019

tenniswelt.biz Bewertung: 

Will man seinen Namen nur einmal auf der ATP-Weltrangliste bewundern, so muss man lediglich die erste Runde eines ITF Future Turniers überleben. Sieg in Runde eins und diesen einen Punkt ergattern.

Soweit so schwer. Dieses eine, ehrgeizige Ziel hat sich der Autor Felix Hutt gesetzt. Aber nicht zu Beginn seiner Karriere, als Jugendlicher oder aufstrebender Anfang-Zwanziger. Nein, Hutt fasst den Plan das erste Mal mit 32 Jahren, als das dann aber nicht gelang, noch einmal mit stolzen 37!

Angespornt durch das Australien Open Finale zwischen Roger Federer (seinem Vorbild) und Rafael Nadal im Januar 2017. Der Schweizer gewann in 5 Sätzen und Hutt hat sich auf einmal, nicht zuletzt durch erhöhten Bierkonsum während es Matches vor dem Fernseher daran erinnert, dass er ja noch eine Rechnung offen hat mit sich selbst: nur einmal auf der ATP-Weltrangliste erscheinen. Und somit startete seine Mission im Tennisrentenalter gepaart mit mächtig Übergewicht und einer Kondition, die den Namen gar nicht verdient hat, ein zweites Mal. Jetzt mit fast 38 soll sein Jugendtraum endlich in Erfüllung gehen.

Hutt nimmt Kontakt mit alten Weggefährten aus Tennisvereinen im Umfeld von München auf und findet schließlich drei Vertraute, die mit ihm trainieren und sogar Ernährungspläne aufstellen. Dazu muss immer wieder auf’s Neue seine Frau Sina überzeugt  werden den Weg mitzugehen. Nicht einfach, vor allem weil die erste Turnierteilnahme als Sardinienurlaub getarnt wird und das Sportliche mit dem Vergnügen verbunden werden muss. Was nicht immer auf Verständnis bei Hutt’s Frau stößt. 

Wie brutal es sein kann, diesen einen mageren Punkt auf der Liste zu ergattern wird einem erst bewusst, dass der Platz im Hauptfeld ja auch erst durch die Mühlen der prall besetzen Qualifikationsrunde erkauft werden muss.

Das Krasseste war Uganda. Die haben mit Kreide die Linie gemalt

Teilweise steht man als punktloser Bewerber erst an 150. Stelle, reist am Spielort an und erfährt am Vorabend, dass zu wenige Spieler abgesprungen sind und die Quali-Runden einfach dicht sind. Frustration pur. Aber Tagesgeschäft - vor allem bei den teilweise hochkarätig besetzen Turnieren in Europa.

Felix Hutt war zu der Zeit Stern-Reporter in München und sah seine Mission nicht nur als Stoff für sein nächstes Buch oder journalistisches Futter für seine Karriere. Nicht nur. Es hat ihn sein Ehrgeiz gepackt. Nicht der Ehrgeiz es allen anderen zu beweisen. Vielleicht nur ein bisschen. Viel mehr ging es ihm darum, es sich selbst zu beweisen. Warum sonst reist man freiwillig nach Islamabad, Kambodscha oder Uganda?

Nicht nur die (zugegebenermaßen teilweise zu ausschweifenden) Umschreibungen seiner Matches sind interessant. Vielmehr die Geschichten drumherum. Wir alle haben von den Erdbeeren auf der Wimbledon-Anlage gehört, kennen den riesigen Arthur-Ashe in New York und haben schon unzählige Male erzählt bekommen, wie hoch die Temperatur im Januar in der Rod Laver Arena in Melbourne ist. Klar, das ist die Welt in der Pole Position des Tennislebens.

Man muss Schmerzen mit Schmerzen bekämpfen, um erfolgreich zu sein

In diesem Buch wird dir erzählt, wie mühsam es ist, für einen mit 0 Punkten auf der DTB-Liste ausgestatteten Spieler auch nur in die Quali-Runde eines Futures zu kommen. Eine Mail an den Turnierveranstalter hilft da oft wenig. Zudem kann es passieren, dass er es dennoch möglich macht - wenn man sich eine Woche in seinem Hotel eincheckt, was 112 Dollar die Nacht kostet. Hier sieht man wieder, dass es Korruption in jeder Gesellschaftsebene gibt und das der Tenniszirkus in „Liga 3“ wenig mit Glamour zu tun hat .

Gerade weil man in diesem Buch viel mehr die über den steinigen Weg zur Tenniselite vermittelt bekommt als irgendwo sonst, ist es für mich eine glasklare Kaufempfehlung. 

Für ein mit 15.000 US-Dollar dotiertes ITF-Future-Turnier erhält man für den Einzug in das Hauptfeld gerade einmal 150 US-Dollar. Setzt man voraus, dass man zuvor schon drei Siege in der Qualifikation geschafft hat. Kein Verhältnis zu den Kosten für die Flüge und die Unterbringung für die Turniertage. Tennisprofi ist Existenzkampf pur.

Felix Hutt umschreibt es teilweise so brutal und dabei absolut authentisch. 

Für alle, die Tennis lieben und auch die andere Seite der Nahrungskette fernab der glitzernden Hightech-Arenen kennenlernen möchten, empfehle ich diese Buch unbedingt! Diejenigen, die vielleicht Profi werden wollen und von dem Sport irgendwann einmal leben möchten, rate ich dringend zu dem Titel. 

Weil Hutt hier vermittelt, dass Leidenschaft für den Sport wichtiger ist als gewinnen oder verlieren, ist es für mich das ideale Lehrbuch - gerade für junge Spieler.

Kaufen!

 

  • absolut authentisch und detailliert beschrieben
  • erweitert definitiv den Tennis-Horizont 

 

  • einzelne Matches zu ausführlich umschrieben

 

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