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Andre Agassi: Open

@ Droemer/Knaur Coverrechte liegen beim genannten Verlag

Titel: Open
Autor: Andre Agassi
ISBN-10: 3426302047
Verlag: Droemer/Knaur
Format: gebundene Ausgabe/Taschenbuch
Seitenanzahl: 608
Abmessung: 15,4 cm x 22 cm
Erscheinungsdatum: 10.11.2009

tenniswelt.biz Bewertung: 

Eine, oder wahrscheinlich DIE schillerndste Tennisfigur der letzten Jahrzehnte verfasst eine Biografie. Eine logische Ergänzung zu seiner Karriere und irgendwie haben wir es auch fast erwartet.

Es gab auf der Tour viele denkwürdige Matches, erbitterte Fights großer Spieler. Matches, an die sich einfach jeder Fan erinnert. Das Buch beginnt Andre Kirk Agassi mit dem Ende - dem Ende seiner großartigen Karriere. Den US Open 2006, dort wo alles zu Ende sein sollte. Er erzählt so eindringlich über seinen schmerzenden Körper, dass der Leser die Qualen fast selber spüren kann. Sein 5-Satz-Drama in Runde 2 gegen Marcos Baghdatis - es sollte der allerletzte Sieg des einstigen Paradiesvogels werden.

„Ich hasse Tennis“ Zu der Feststellung kam Agassi schon als 7-Jähriger. Ziemlich genau beschreibt er den Drill seines Vaters "Mike", pro Tag 2.500 Bälle aus der Ballmaschine zu verarbeiten. Tag für Tag. Die Maschine, die er immer den „Drachen“ genannt hat. Mit dem Ziel des ehrgeizigen Vaters, dass sein Sohn irgendwann die Nr. 1 der Welt wird. Das Buch beschreibt sehr gut und gleichzeitig niederschmetternd,  wie hoch der Preis dafür gewesen ist. Die Nummer 1 wurde er schließlich, über 100 Wochen lang. Er gewann alle Grand Slams, teilweise mehrfach. Und vielleicht hätte er auch noch viel mehr Titel holen können, wenn er seine Ära nicht mit Pete Sampras hätte teilen müssen.

Interessant werden die persönlichen Einblicke. Zum Beispiel bei seinem Aufeinandertreffen mit Nick Bollettieri. Die karge Tennis Akademie ist für Andre einfach nur eine weitere Station der Qual.. nach dem Drill bei seinem Vater. Überhaupt erkennt man in den folgenden Kapiteln sehr gut, zu welchen Leuten Agassi kein gutes Verhältnis hat. Jeff Tarango, der schon als Kind unfair spielte. Boris Becker, der sich in PK´s abfällig über ihn äußerte und eben jener Nick Bolletieri, der Agassi in der Akademie vor allen anderen Jugendlichen kompromittierte - wegen seines Kleidungsstils. Böden wischen, Essenssaal aufräumen, nur zwei drakonische Strafen des Elite-Tennislehrers.

Spricht Agassi über Beziehungen, dann erwähnt er nur drei Frauen, die eine maßgebliche Rolle in seinem Leben spielten: Wendy Stewart, seine Jugendliebe, die sein Ballmädchen in frühen Tagen war und die er später wieder getroffen hat und schließlich mit ihr zusammen kam.

Dann Brooke Shields, die ein komplett anderes Leben führen wollte als er und die nie wirklich zu ihm passte (nach seiner Meinung). Und natürlich Steffi Graf, die er ausschließlich Stefanie im Buch nennt. Denn Steffi - so mochte sie nie genannt werden.

Jeder hat sich vielleicht schon einmal gedacht: Warum dringt praktisch nichts in die Öffentlichkeit über Stefanie und Andre. Kaum Fotos, Auftritte, Bilder mit ihren Kindern… Wer dieses Buch gelesen hat versteht, warum Andre ein so zurückhaltendes und fast bescheidenes Leben führt. Vielleicht zog es ihn gerade deswegen schon immer zu seiner jetzigen Frau. Und obwohl ihnen das Tennis ein Vermögen von zirka 500 Millionen Dollar eingebracht hat, geliebt haben es beide nie.

Bei den meisten Büchern im Blog muss man diesen Sport ein Stück weit mögen und vielleicht auch lieben. Das ist bei Open auch nicht anders. Dennoch, das Buch ist teilweise ziemlich ausführlich umschrieben, auch wenn es um einzelne Matches geht. Ich fand die Biografie aber zu keiner Zeit in die Länge gezogen, was schon etwas heißen will bei über 600 Seiten! Ich finde nicht, dass man zwingend Tennisfan sein muss um das Buch gut zu finden, vielleicht findet man sich selbst sogar wieder oder kennt jemanden, der durch Ehrgeiz zerfressene Eltern für sein Leben geprägt wurde. Es macht nachdenklich und einem wieder bewusst, dass sehr viel im Leben einfach nur Fassade ist.

Ich verabscheue Tennis. Ich verdiene meine Lebensunterhalt mit Tennis. Obwohl ich diesen Sport mit dunkler, heimlicher Leidenschaft hasse. Hoffentlich ist das alles bald vorbei. Zitat Ende.

Fünf tenniswelt-Bälle drücken alles aus, was ich zu diesem Buch sagen kann!

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